Was bisher geschah…

Die zwei Minuten sind längst um, die Gemüter abgekühlt, und das etwas lähmende Gefühl nach dem ernüchternden Feedback der Jury ist dem pragmatischen Vorsatz zur Produkt- und Preisoptimierung gewichen. Einige Tage nach Abschluss der Dreharbeiten hatten wir die notwendige “Jetzt erst erst!”-Attitude und unsere Motivation wieder.

Wieso 2 Minuten, 2 Millionen?

Der Grund ist simpel: Werbung, Werbung, Werbung!

Die Aussicht als Jungunternehmer in das grelle TV-Scheinwerferlicht zu kommen und die Möglichkeit sein Produkt 2 Minuten lang ohne Unterbrechung vorzustellen und anzupreisen ist verlockend. Dabei rücken folgende berechtigte Zweifel eher in den Hintergrund:

  • Ist das Produkt soweit?

  • Kann das StartUp korrekt bewertet werden?

  • Möchte man Entscheidungskraft abgeben?

  • Und last but not least: Braucht man überhaupt einen Investor?)

Selbst einer der Investoren der Sendung hat in der gleichen Folge gemeint, dass er es grundsätzlich für legitim hält, dass Startups unbedingt in die Show kommen möchten, auch wenn sie nicht unbedingt auf der Suche nach einem Investment sind. Auch wir hatten beim “bingewatchen” der vorherigen Sendungen zwecks Vorbeitung den Eindruck erhalten, dass einige Jungunternehmer vor allem den Werbewert nutzen möchten, wenn sich dabei ein Investment ergibt, umso besser.

Zu Beginn der Dreharbeiten stand Waschbote noch nicht einmal in den Kinderschuhen, es war eher ein vielversprechendes Ultraschallbild. Ein provisorischer Businessplan, Design und eine Signup-Website stand, erste Testkunden wurden im kleinen Kreis (meistens durch die Waschbotengründer selbst) beliefert, die Logistik war in der Ausarbeitung. Alles vielversprechend, jedoch mit Hintergedanken, dass noch sehr viel Arbeit und viele, bildlich gesprochene, Fragezeichen vor uns lagen. 

Die Gründer von Waschbote stehen im Studio von "2 Minuten, 2 Millionen"

 

Ein Investment war für uns in der Anfangsphase des Waschboten nicht vorgesehen. Unser Plan sah vor “klein” und mit eigenen Mitteln aufzubauen und dann stetig zu wachsen. Erst nach der fixen Zusage zur Show (zu erzählen, wie es dazu gekommen ist, würde hier den Rahmen sprengen und wird in naher Zukunft, in einem eigenen Blogeintrag behandelt) entwickelten wir ein Konzept darüber, was wir nicht mit einer eventuell angebotenen Liquiditätsspritze schneller und effizienter erreichen könnten. Somit ging es uns weniger um 2 Millionen Euro, als um die (durchschnittlich) 181.400 Zuseher bzw. potentiellen Kunden.*

*selbstverständlich nach Abzug der Zuseher die nicht aus dem Großraum Wien zusahen

(Zu) hoch gepokert?

Der Hauptkritikpunkt (neben der Bewertung) war der Preis eines Produkts (einer ganzen Produktpalette wohlgemerkt). Wir möchten mit unserem Service Menschen ansprechen, die mit Wäsche wenig am Hut haben möchten, es als zeitraubende Notwendigkeit sehen, kurz: einen Pain betrachten, den es zu lösen gilt. Selbstverständlich muss ein solches Convenience-Produkt jemandem auch etwas wert sein.

Die Fragestellung “Wieviel kostet mich dieser Service im Vergleich dazu, wenn ich es selbst in meiner Waschmaschine wasche?” ist deshalb nur bedingt anwendbar und sollte eher der Frage “Wieviel ist mir meine eigene Freizeit wert? Möchte ich mit meiner teuren Freizeit etwas Produktiveres (oder einfach nur Interessanteres) machen als Wäsche zu waschen?” weichen.

Der (unzählige Male gehörte) Preisvergleich mit der Reinigungskraft, die mir neben dem Putzen im Vorbeigehen auch noch die Wäsche erledigt und die Hemden bügelt, hinkt ebenfalls. Zum Einen verfügt diese Reinigungskraft nicht zwangsläufig über die Expertise die für eine professionelle Reinigung notwendig ist, zum anderen stellt sich die Frage der Entlohnung dieser Reinigungskraft. Somit haben wir dieses Argument in der Vergangenheit gerne mit der Gegenfrage nach der Art der Anstellung (häufige Antwort: steueroptimiert) und der Meldung beim Sozialversicherungsträger (noch häufigere Antwort: ähm…) gekillt.

Unsere Vision sieht nicht nur das bequeme, flexible Produkt, sondern auch die PartnerInnen die dahinter stehen. Flexible, kundenfreundliche Logistik und professionelle, zuverlässige Wäscherei- bzw. Reinigungsdienstleistung verursachen (Mehr)kosten die sich im Verbraucherpreis niederschlagen. Unsere derzeitige Vorgehensweise, den KundInnen absolute Freiheit und Flexibilität in Sachen Lieferung zu bieten und Ihnen, mit Hilfe unserer Waschboten, einen einstündigen Abholslot zu offerieren, ist jedenfalls nicht mit traditionellen Logistikmethoden (mit den üblichen Zeitslots von 8-12 Uhr) zu lösen. Long story, short: Wir möchten nicht das Rad neu erfinden, aber eine Dienstleistung in Wien etablieren die es so noch nicht gegeben hat. Diese bietet unserer Meinung große Vorteile für den Kunden, hat aber derzeit noch eine Kehrseite: den Preis.

Der TV-Effekt

Letztendlich saßen wir zum Zeitpunkt der Ausstrahlung als erweitertes Waschbote-Team vor dem Fernseher und waren schon gespannt unseren Pitch aus der Zuseherperspektive zu erleben. Natürlich wussten wir wie es ausgeht, aber wie unser Auftritt wirklich geschnitten wurde und wie der Fernsehzuschauer unsere Teilnahme an der Show wahrnehmen würde konnten wir bis zum letzten Moment nicht einschätzen.
Technisch waren wir vorbereitet: in der Amazon-Cloud liefen mehrere Server-Instanzen hinter einem Load-Balancer, der nur darauf wartete den Ansturm auf unsere Website an diese zu verteilen. Google Analytics zeigte die Zugriffe in Echtzeit an und wir staunten wie die Besucherzahlen sekündlich anstiegen.

Screenshot der Echtzeit-Zugriffe in Google Analytics

 

Den Spitzenwert erreichten wir mit ca. 1.000 Interessierten die sich gleichzeitig die Website ansahen. Über den Abend gezählt kamen wir auf 8.000 eindeutige Besucher. Wir hoffen natürlich, dass ein maßgeblicher Prozentsatz in Bestellungen konvertiert.

Fazit

  • War es wert dabei zu sein?

  • Wie war es?

  • Wie ist das Drumherum hinter den Kulissen?

  • Ratet ihr anderen Startups ab (besonders solchen in einer ähnlichen Entwicklungsphase), bei der Show mitzumachen?

Kurz gesagt: Ja. Interessant. Ernüchternd. Definitiv nicht.

Die längere Version: Ja, da neben der Werbung und der Aufmerksamkeit für unser Produkt es vor allem auch die Erfahrung ist, die wir keinesfalls missen möchten. Der TV-Show Crashkurs hebt sich definitiv von anderen Präsentationen, Pitches und Vorträgen ab. Briefings, Besprechungen, Planung des Pitch (bei welcher wir vom Produktionsteam ungemein unterstützt wurden), strikte Handlungsabläufe und Zeitvorgaben und last but not least, die Maske. Dies waren alles interessante Eindrücke die wir so noch nicht vorher kennengelernt haben.

Und genau diese Tatsachen geben auch die Antwort auf die dritte Frage.
Während des Auftritts muss man sich plötzlich auf eine Reihe von ungewohnten Verhaltensregeln und Vorgaben seitens der Fernsehprofis zusätzlich konzentrieren (das diese Regeln für einen professionellen und raschen Drehablauf notwendig sind, stellen wir hier keinesfalls in Frage). Jedoch schränken diese einen, unserer Meinung nach, in seiner Präsentationsperfomance drastisch ein. Demgegenüber steht die Tatsache, dass in einem Take durchgedreht wird. ‚Kamera läuft‘ und wenns schief geht… Pech gehabt! Dies und vor allem das Fehlen jeglicher Kontrolle im Nachhinein, machte unsere Erfahrung im Vorfeld, ein wenig zu einer Art “Black Box” gemäß dem Motto: “Kann gut gehen… kann aber auch schiefgehen”.

Das Gefühl nach der Show habe ich zu Beginn beschrieben, die Reaktion darauf ebenfalls. Wir haben mit der Kritik das gemacht, was wir tun konnten: Analysiert, teils verworfen, teils zu Herzen genommen und konstruktive Ratschläge umgesetzt. Jedoch würden wir auch, nachdem wir die Show gestern zum ersten Mal (nach sehr langer Zeit) im Fernsehen gesehen haben, sicher wieder daran teilnehmen.

Die Message an alle JungunternehmerInnen da draußen ist daher:
Habt ihr ein Produkt? Glaubt ihr an die Idee? Wollt ihr das breite Publikum erreichen und möchtet einen Investor finden? (Letzteres ist optional ;) ) MACHT MIT!